Nur noch funktionieren

Vielleicht kommt dir das bekannt vor:

  • Du erledigst deine Arbeit, kümmerst dich um deinen Alltag und nach außen scheint eigentlich alles in Ordnung zu sein.
  • Du bist ständig müde oder gereizt, machst aber trotzdem einfach weiter.
  • Freizeit brauchst du inzwischen hauptsächlich, um dich von deinem Alltag zu erholen.
  • Du denkst dir: „So schlimm kann es mir nicht gehen. Ich bekomme schließlich noch alles hin.“

Es gibt Menschen, denen man lange nicht ansieht, wie erschöpft sie eigentlich sind. Sie stehen morgens auf, gehen arbeiten, erledigen ihre Aufgaben, treffen vielleicht sogar Freunde und funktionieren nach außen völlig normal. Innerlich sieht es manchmal ganz anders aus.

Funktionieren bedeutet nicht automatisch, dass es dir gut geht

Wir verbinden psychische Belastung häufig mit dem Moment, in dem gar nichts mehr geht. Doch so eindeutig ist es nicht. Man kann leistungsfähig sein und sich trotzdem dauerhaft erschöpft fühlen. Man kann lachen und gleichzeitig innerlich angespannt sein. Man kann seinen Alltag bewältigen und trotzdem merken, dass immer weniger Kraft für das eigene Leben übrig bleibt. Die Frage ist deshalb nicht nur: „Schaffe ich meinen Alltag noch?“ Sondern auch: „Wie geht es mir dabei?“

Wenn wir unsere eigenen Warnsignale übergehen

Oft gibt es schon vorher kleine Veränderungen. Du bist schneller gereizt. Du ziehst dich häufiger zurück. Dinge, auf die du dich früher gefreut hast, fühlen sich zunehmend wie weitere Termine an. Nach der Arbeit möchtest du eigentlich nur noch deine Ruhe haben. Vielleicht schläfst du schlechter oder hast das Gefühl, dich selbst kaum noch richtig zu spüren. Trotzdem machen viele Menschen weiter. Schließlich funktioniert es ja noch. Doch genau darin kann das Problem liegen. Wir warten häufig darauf, dass unser Körper oder unsere Psyche irgendwann deutlich genug zeigen, dass es zu viel ist.

Du musst nicht erst zusammenbrechen

Es braucht keinen völligen Zusammenbruch, um Belastung ernst nehmen zu dürfen. Du musst nicht beweisen, dass es dir „schlecht genug“ geht. Vielleicht brauchst du keine komplette Veränderung deines Lebens. Vielleicht braucht es zunächst nur die ehrliche Erkenntnis: So wie es gerade läuft, kostet es mich zu viel Kraft. Diese Erkenntnis ist kein Versagen. Sie kann der Anfang davon sein, wieder genauer auf sich selbst zu hören.

Was steckt hinter dem ständigen Funktionieren?

Manche Menschen haben früh gelernt, dass Leistung wichtig ist oder dass sie sich auf sich selbst verlassen müssen. Andere möchten niemanden belasten oder haben hohe Erwartungen an sich.
Gedanken wie „Ich muss das schaffen“, „Andere bekommen das doch auch hin“ oder „Ich darf mich nicht so anstellen“ sorgen dafür, dass eigene Grenzen immer wieder verschoben werden.
Irgendwann wird Funktionieren zum Normalzustand und man merkt kaum noch, wie viel Kraft es eigentlich kostet.

Wann solltest du genauer hinschauen?

Eine anstrengende Woche oder eine stressige Phase gehören zum Leben und bedeuten nicht automatisch, dass eine psychische Erkrankung dahintersteckt. Wenn Erschöpfung, Rückzug, Schlafprobleme, innere Leere, Reizbarkeit oder fehlende Freude jedoch über längere Zeit bestehen bleiben oder stärker werden, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls professionelle Unterstützung zu suchen. Nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht.

Übung: Wie geht es mir eigentlich wirklich?

Nimm dir einen Moment und frage dich nicht, was du momentan alles schaffst. Frage dich stattdessen: Wie viel Kraft kostet mich mein Alltag gerade? Worauf freue ich mich wirklich noch?
Wann fühle ich mich erholt und nicht nur weniger erschöpft? Welche Signale meines Körpers oder meiner Psyche ignoriere ich vielleicht schon länger? Und schließlich: Was würde ich verändern, wenn ich nicht erst warten müsste, bis es mir noch schlechter geht?

Gedankenarbeit mit piKVT & The Work

Hinter ständigem Funktionieren stehen häufig Gedanken wie „Ich muss das schaffen“, „Ich darf niemanden enttäuschen“ oder „Ich habe keinen Grund, erschöpft zu sein“. In der Arbeit mit piKVT und The Work können solche Überzeugungen genauer betrachtet und hinterfragt werden. Dabei geht es nicht darum, Verantwortung abzugeben, sondern die eigenen Grenzen und Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und ernst zu nehmen.

Zum Mitnehmen

Du kannst funktionieren und trotzdem erschöpft sein. Du kannst deinen Alltag bewältigen und trotzdem Unterstützung brauchen. Und du darfst etwas verändern, bevor dein Körper oder deine Psyche dich dazu zwingen. Du musst nicht erst nicht mehr können, bevor du dir erlaubst, dass es gerade zu viel ist. Wenn du merkst, dass du im Alltag hauptsächlich noch funktionierst und deine eigenen Bedürfnisse kaum noch wahrnimmst, begleite ich dich in meiner Praxis in Ulm gerne dabei, wieder mehr Kontakt zu dir selbst und deinen Grenzen zu entwickeln.