Wenn du dich ständig erklären musst

Vielleicht kennst du das auch:

  • Du sagst eine Verabredung ab und hast sofort das Bedürfnis, ausführlich zu erklären, warum.
  • Du triffst eine Entscheidung und hoffst, dass andere sie verstehen und gutheißen.
  • Jemand kritisiert dein Verhalten und du möchtest unbedingt deine Sicht der Dinge erklären.
  • Oder du merkst, dass du dich immer weiter rechtfertigst, obwohl dein Gegenüber dich eigentlich gar nicht verstehen möchte.

Wir alle möchten von anderen verstanden werden. Besonders von Menschen, die uns wichtig sind. Doch manchmal wird aus diesem Wunsch ein innerer Druck: Wir haben das Gefühl, unsere Entscheidungen begründen zu müssen, damit sie überhaupt berechtigt sind.

Warum wir verstanden werden wollen

Wenn andere unsere Entscheidungen nachvollziehen können, fühlen wir uns sicherer. Ihre Zustimmung bestätigt uns: „Es ist okay, was ich mache.“ Schwieriger wird es, wenn jemand unsere Entscheidung nicht versteht oder sogar kritisiert. Dann beginnen wir schnell selbst zu zweifeln. Vielleicht war meine Entscheidung doch falsch? Vielleicht bin ich egoistisch? Vielleicht hätte ich anders handeln sollen? Doch nur weil ein anderer Mensch deine Entscheidung nicht versteht, bedeutet das nicht automatisch, dass sie falsch ist.

Wenn aus Erklären Rechtfertigen wird

Natürlich ist es wichtig, miteinander zu sprechen. Gerade in Beziehungen, Freundschaften oder im Beruf können Erklärungen helfen, einander besser zu verstehen. Doch irgendwann gibt es einen Unterschied zwischen erklären und sich rechtfertigen. Du erklärst deine Sicht und dein Gegenüber darf trotzdem eine andere haben. Problematisch wird es, wenn du immer neue Argumente suchst, bis die andere Person endlich sagt: „Okay, jetzt verstehe ich dich.“ Denn dann hängt dein innerer Frieden plötzlich davon ab, ob jemand anderes deine Entscheidung akzeptiert.

Nicht jeder muss dich verstehen

Das kann zunächst unangenehm sein. Jemand darf deine Entscheidung falsch finden. Jemand darf enttäuscht von dir sein. Jemand darf sogar eine völlig andere Meinung über dich haben. Und trotzdem darf deine Entscheidung für dich richtig sein. Vielleicht besteht innere Sicherheit nicht darin, die perfekten Argumente zu finden, sondern darin, auszuhalten, dass ein anderer Mensch deine Sicht nicht teilt.

Übung: Muss ich mich wirklich erklären?

Wenn du das nächste Mal den Drang verspürst, dich ausführlich zu rechtfertigen, halte kurz inne. Frage dich: Möchte ich gerade etwas erklären oder möchte ich Zustimmung bekommen? Habe ich meine Sicht bereits verständlich gemacht? Was befürchte ich, wenn die andere Person mich trotzdem nicht versteht? Und schließlich: Darf meine Entscheidung auch dann richtig für mich sein, wenn jemand anderes sie falsch findet? Vielleicht merkst du dabei, dass du gar keine weiteren Argumente brauchst.

Gedankenarbeit mit piKVT & The Work

Hinter dem Bedürfnis, sich ständig zu erklären, stehen häufig Gedanken wie: „Die anderen müssen mich verstehen“, „Sie dürfen nicht schlecht über mich denken“ oder „Ich muss beweisen, dass meine Entscheidung richtig war“. In der Arbeit mit piKVT und The Work können wir solche Gedanken hinterfragen. Nicht mit dem Ziel, rücksichtslos zu werden, sondern um weniger abhängig von der Zustimmung anderer zu sein.

Zum Mitnehmen

Du darfst erklären, was dir wichtig ist. Aber du musst dich nicht endlos rechtfertigen. Du darfst Entscheidungen treffen, Grenzen setzen und deine Meinung vertreten, auch wenn ein anderer Mensch sie nicht versteht. Denn verstanden zu werden fühlt sich schön an. Es ist aber keine Voraussetzung dafür, deinen eigenen Weg gehen zu dürfen. Wenn du merkst, dass du deine Entscheidungen stark von der Meinung anderer abhängig machst oder dich häufig rechtfertigen musst, begleite ich dich in meiner Praxis in Ulm gerne dabei, mehr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und die eigenen Entscheidungen zu entwickeln.