Erkennst du dich darin vielleicht auch wieder?
- Du hast etwas gesagt und denkst Stunden später noch darüber nach.
- Du hast dich vielleicht ungeschickt, zu laut oder emotional verhalten und schämst dich dafür.
- Du gehst ein Gespräch immer wieder im Kopf durch und überlegst, was die anderen jetzt wohl von dir denken.
- Oder aus einem einzigen unangenehmen Moment entstehen plötzlich Gedanken wie: „Die reden jetzt bestimmt alle schlecht über mich“ oder „Die wollen bestimmt nichts mehr mit mir zu tun haben.“
Fast jeder kennt Situationen, in denen er sich am liebsten unsichtbar machen würde. Doch während andere den Moment vielleicht längst vergessen haben, läuft er in unserem Kopf immer wieder ab. Wir analysieren Blicke, Worte und Reaktionen und versuchen herauszufinden, welchen Eindruck wir hinterlassen haben.
Warum Peinlichkeit so wehtun kann
Hinter Scham steckt häufig die Angst vor Ablehnung. Wir möchten dazugehören, respektiert und gemocht werden. Wenn wir uns blamieren oder anders verhalten, als wir es gerne getan hätten, fühlt sich deshalb schnell nicht nur unser Verhalten falsch an, sondern wir selbst. Aus „Das war mir peinlich“ wird: „Die halten mich bestimmt für komisch.“„Jetzt mögen sie mich nicht mehr.“ „Was denken die jetzt bloß von mir?“ Doch zwischen dem, was tatsächlich passiert ist, und dem, was wir daraus machen, liegt oft ein großer Unterschied.
Du weißt nicht, was die anderen denken
Ein Blick, ein kurzes Schweigen oder eine bestimmte Reaktion reichen manchmal aus und unser Kopf schreibt die Geschichte dazu. Wir glauben zu wissen, dass jemand uns peinlich fand, jetzt schlecht über uns denkt oder vielleicht sogar mit anderen über uns spricht. Aber wissen wir das wirklich? Oft behandeln wir unsere Befürchtungen wie Tatsachen. Dabei kann unser Gegenüber die Situation völlig anders erlebt haben – oder ihr viel weniger Bedeutung beimessen als wir selbst. Und selbst wenn jemand dein Verhalten tatsächlich merkwürdig fand: Ein einzelner Moment beschreibt noch lange nicht, wer du als Mensch bist.
Andere beschäftigen sich weniger mit dir, als du denkst
Wir selbst stehen im Mittelpunkt unserer eigenen Wahrnehmung. Deshalb überschätzen wir leicht, wie sehr andere auf unsere Fehler achten. Während du abends noch über einen Satz nachdenkst, beschäftigt sich dein Gegenüber vielleicht längst mit seinem eigenen Alltag, oder mit etwas Unangenehmem, das er selbst gesagt oder getan hat. Wir alle sind viel stärker mit uns selbst beschäftigt, als wir manchmal glauben. Diese Erkenntnis kann unglaublich entlastend sein.
Aus „Das war peinlich“ wird „Ich bin peinlich“
Besonders belastend wird Scham, wenn wir nicht mehr zwischen unserem Verhalten und unserer Person unterscheiden. Vielleicht hast du tatsächlich etwas gesagt, das du heute anders formulieren würdest. Vielleicht warst du emotional, hast einen Fehler gemacht oder dich ungeschickt verhalten. Dann darfst du daraus lernen. Aber du musst daraus kein Urteil über deinen gesamten Charakter machen. Du kannst etwas Peinliches tun, ohne ein peinlicher Mensch zu sein.
Übung: Vom Kopfkino zurück zu den Fakten
Denke an eine Situation, die dir noch immer unangenehm ist, und teile deine Gedanken in zwei Bereiche: Was weiß ich wirklich? Was wurde tatsächlich gesagt oder getan? Welche Reaktion habe ich wirklich beobachtet? Gibt es überhaupt konkrete Hinweise darauf, dass andere jetzt anders über mich denken? Was vermute ich nur? „Alle fanden mich lächerlich.“ „Die reden jetzt bestimmt schlecht über mich.“ „Die wollen jetzt bestimmt nichts mehr mit mir zu tun haben.“ Frage dich anschließend: Wie würde ich über einen anderen Menschen denken, dem genau dasselbe passiert wäre? Wahrscheinlich deutlich milder, als du gerade über dich selbst urteilst.
Gedankenarbeit mit piKVT & The Work
Nach peinlichen Situationen entstehen schnell Gedanken wie: „Die denken jetzt schlecht über mich“, „Ich hätte mich anders verhalten müssen“ oder „Die wollen bestimmt nichts mehr mit mir zu tun haben“. In der Arbeit mit piKVT und The Work geht es darum, solche Gedanken behutsam zu überprüfen. Was weißt du tatsächlich und was ergänzt dein Kopf? Was passiert mit dir, wenn du glaubst, dass andere dich jetzt ablehnen? Und wie würdest du die Situation erleben, wenn du diesen Gedanken nicht für eine Tatsache halten müsstest? Es geht nicht darum, unangenehmes Verhalten schönzureden. Es geht darum, einen einzelnen Moment nicht größer werden zu lassen, als er ist.
Zum Mitnehmen
Du wirst in deinem Leben Dinge sagen, die du später anders formulieren würdest. Du wirst dich ungeschickt verhalten, Fehler machen und wahrscheinlich auch noch das ein oder andere Mal in ein Fettnäpfchen treten. Das gehört zum Menschsein. Du darfst:
- dich kurz schämen
- über dich selbst lachen
- dich entschuldigen, wenn es notwendig ist
- aus einer Situation lernen
- und danach wieder weitergehen
Nicht jeder peinliche Moment braucht eine stundenlange Nachbesprechung mit dir selbst. Und vielleicht liegt genau darin ein Stück Freiheit: zu akzeptieren, dass du nicht kontrollieren kannst, was jeder Mensch über dich denkt und dass dein Wert davon nicht abhängt. Wenn dich die Angst vor der Bewertung anderer stark beschäftigt oder du Situationen immer wieder gedanklich durchspielst, begleite ich dich in meiner Praxis in Ulm gerne dabei, mehr Sicherheit im Umgang mit dir selbst und der Meinung anderer zu entwickeln.