Wenn die innere Stimme zu streng wird – Wege zu mehr Selbstmitgefühl

Vielleicht kennst du solche Momente

in denen ein einziger kleiner Fehler reicht, damit deine innere Stimme sofort losschießt: „Wie konntest du nur?“ „Das hätte dir nicht passieren dürfen!“ Oder ganz leise: „Andere bekommen das doch auch hin…“ Selbstkritik kann sich anfühlen wie ein ständiger Druck, wie ein Gewicht, das du jeden Tag mit dir herumträgst. Manchmal so selbstverständlich, dass du gar nicht bemerkst, wie hart du mit dir sprichst. Doch diese Strenge hat Gründe und sie lässt sich wandeln.

Warum Selbstkritik entsteht – und warum sie dich so festhält

Die meisten Menschen glauben, Selbstkritik würde sie motivieren. Doch in Wahrheit entsteht sie oft aus etwas ganz anderem:

  • einem frühen Gefühl, nicht genug zu sein

  • der Angst, Fehler könnten Ablehnung bringen

  • dem Wunsch, alles unter Kontrolle zu behalten

  • alten Anforderungen, die du längst nicht mehr erfüllen musst

Selbstkritik ist ein Schutzmechanismus. Sie versucht, dich „besser“ zu machen, damit du sicher bist.

Doch gleichzeitig nimmt sie dir Kraft, Ruhe und Selbstvertrauen. Wenn die innere Stimme zu laut wird, überlagert sie all das, was du tatsächlich kannst und leistest.

Mini-Übung: Der Perspektivwechsel der Freundlichkeit

Wenn ein selbstkritischer Gedanke auftaucht, halte kurz inne. Frag dich: „Würde ich so auch mit einem Menschen sprechen, der mir wichtig ist?“ Wenn die Antwort „Nein“ ist, dann überlege: „Wie würde ich diesen Satz in freundlicher Form ausdrücken?“ Beispiele: Aus „Ich bin so dumm“ wird:  „Ich habe einen Fehler gemacht und ich darf daraus lernen.“ Aus „Ich mache nie etwas richtig“ wird: „Manches gelingt mir, manches nicht – und das ist menschlich.“ Diese Übung öffnet ein erstes Fenster zu mehr Selbstrespekt.

Klein – aber wirkungsvoll.

Gedanken liebevoll überprüfen (piKVT & The Work)

In meiner Arbeit lade ich dazu ein, selbstkritische Gedanken behutsam zu hinterfragen. Viele Klienten bringen Sätze mit wie:

  • „Ich muss perfekt sein.“

  • „Ich darf keine Schwäche zeigen.“

  • „Ich bin nicht gut genug.“

Diese Gedanken fühlen sich nicht wie Gedanken an, sondern wie Tatsachen. Doch wenn wir sie gemeinsam anschauen und prüfen, entstehen neue innere Wege: Ist das wirklich wahr? Wie reagiere ich, was passiert wenn ich diesen Gedanken glaube? Wer wäre ich ohne diesen Gedanken? Nach und nach entsteht ein Perspektivwechsel: Von innerer Härte zu innerer Unterstützung. Von Druck zu Erlaubnis.

Von Bewertung zu Mitgefühl. Selbstkritik verliert an Macht, wenn du erkennst, dass du nicht ständig „besser“ sein musst, um wertvoll zu sein.

Zum Mitnehmen

Selbstkritik sagt nichts über deinen Wert aus. Sie zeigt nur, welche Erwartungen, Erfahrungen und Ängste in dir wirken. Du darfst lernen, deine innere Stimme weich werden zu lassen. Nicht, weil du weniger leisten möchtest, sondern weil du dir selbst endlich den Raum gibst, menschlich zu sein. Wenn du dir wünschst, mit mehr Freundlichkeit und Ruhe durchs Leben zu gehen, begleite ich dich gerne auf deinem Weg.

Melde dich in meiner Praxis in Ulm für ein Erstgespräch, du musst diesen Weg nicht allein gehen.