Vielleicht hast du schon erlebt…
dass du dich in Gruppen zurückziehst, lieber zuhörst, bevor du sprichst, oder erst einmal nachdenkst, bevor du eine Entscheidung triffst. Oder du kennst das Gegenteil: Du fühlst dich wohl in Gesellschaft, blühst in Gesprächen auf und tankst Energie im Kontakt mit anderen. Viele Menschen glauben, Introversion und Extraversion hätten etwas mit Schüchternheit oder „Lautstärke“ zu tun. Doch beides sind natürliche Temperamente, keine Stärken, keine Schwächen, sondern unterschiedliche Arten, die Welt wahrzunehmen und Energie zu regulieren.
Was Introversion wirklich bedeutet
Introvertierte Menschen verarbeiten Informationen tief und bewusst, tanken Energie eher in Ruhe, bevorzugen wenige, aber bedeutungsvolle Kontakte, beobachten, bevor sie handeln und wirken oft ruhig, konzentriert und reflektiert. Introversion bedeutet nicht Unselbstsicherheit, soziale Angst oder mangelnde Kommunikationsfähigkeit. Es bedeutet: dein Nervensystem arbeitet fein, gründlich und bewusst.
Was Extraversion wirklich bedeutet
Extravertierte Menschen gewinnen Energie im Kontakt mit anderen, handeln oft spontaner, sind meist gesellig und aktivierend reden, um zu denken statt andersherum und fühlen sich wohl in größeren Gruppen. Extraversion bedeutet nicht Lautstärke, Oberflächlichkeit oder fehlende Empathie.
Es bedeutet: dein System orientiert sich nach außen und fühlt sich dort lebendig. Beide Temperamente sind wertvoll. Beide haben Stärken. Beide haben Herausforderungen.
Warum diese Unterschiede oft zu Missverständnissen führen
Da wir dazu neigen, von uns selbst auf andere zu schließen, entstehen schnell falsche Annahmen: Der Introvertierte denkt: „Warum sind die anderen so laut?“ Der Extrovertierte fragt sich: „Warum sagt sie nichts?“ In Wahrheit versuchen beide, ihr Nervensystem zu regulieren, nur auf unterschiedliche Weise.
Introvertierte über Reizreduktion. Extravertierte über Reizzuwachs. Dieses Verständnis bringt unglaublich viel Frieden in Beziehungen, Freundschaften und Teams.
Mini-Übung: Deine Stärken sichtbar machen
Nimm dir einen Moment Zeit und beantworte folgende Frage: „Welche drei Stärken zeigt mein Temperament so, wie ich bin?“ Beispiele: Introvertierte Stärken: Tiefe, Empathie, Beobachtungsgabe, Ruhe und Kreativität. Extravertierte Stärken: Kontaktfreude, Mut, Spontanität, Aktivität und Motivation. Schreib sie auf. Allein das stärkt dein Selbstbild und nimmt Druck heraus, anders sein zu müssen.
Gedanken prüfen, die mit Temperamenten verbunden sind
Viele Menschen tragen innere Überzeugungen über sich, die gar nicht zu ihnen gehören: Introvertierte denken oft: „Ich bin langweilig.“„Ich müsste mehr aus mir herausgehen.“ und „Ich bin falsch, weil ich Ruhe brauche.“ Extravertierte denken oft: „Ich bin zu viel.“„Ich störe andere.“„Ich müsste ruhiger sein.“ Diese Gedanken sind nicht wahr. Sie spiegeln gesellschaftliche Erwartungen, nicht deine Essenz. In der Therapie fragen wir: Ist dieser Gedanke wirklich wahr? Wer wärst du ohne diesen Anspruch? Wie würde es sich anfühlen, wenn du so sein dürftest, wie du bist? Introvertierte finden dann oft ihre Ruhe zurück.
Extravertierte finden ihre Leichtigkeit wieder. Und beide finden Selbstvertrauen in ihrem natürlichen Sein.
Zum Mitnehmen
Introvertiert oder extravertiert zu sein, sagt nichts darüber aus, wie wertvoll, kompetent oder liebenswert du bist. Es zeigt nur, wie dein Nervensystem funktioniert und das ist zutiefst menschlich. Du darfst sein, wie du bist. Du darfst deine Stärken nutzen. Und du darfst lernen, dein Temperament nicht zu verändern, sondern zu verstehen. Wenn du mehr Klarheit über dich gewinnen oder innere Belastungen lösen möchtest, begleite ich dich in meiner Praxis in Ulm gerne auf deinem Weg. Melde dich jederzeit für ein Erstgespräch.