Vielleicht kennst du das Gefühl…
dass dir alles schneller zu viel wird als anderen. Oder du fragst dich, warum manche Menschen in schwierigen Situationen stabil bleiben, während andere früher oder später in eine psychische Krise rutschen. Psychische Erkrankungen entstehen niemals aus einem einzigen Grund. Sie sind das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Belastung, Veranlagung und Lebensumständen. Und genau das beschreibt das Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Wenn du verstehst, wie dieses Modell funktioniert, erkennst du oft zum ersten Mal: „Es ist nicht meine Schuld. Und ich kann lernen, meine Belastungsgrenzen anders zu schützen.“
Was bedeutet „Vulnerabilität“?
„Vulnerabilität“ bedeutet Verletzlichkeit, also wie empfindlich oder sensibel dein System auf Belastungen reagiert. Diese innere Sensibilität wird beeinflusst durch:
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genetische Faktoren
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frühkindliche Erfahrungen
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Bindung und Beziehungserfahrungen
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Temperament
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Stressverarbeitung
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biologisch-neurologische Besonderheiten
Manche Menschen haben eine geringere Vulnerabilität, sie können viel aushalten, ohne schnell aus dem Gleichgewicht zu geraten. Andere haben von Anfang an ein empfindlicheres Stresssystem. Beides ist völlig normal. Keines davon ist „gut“ oder „schlecht“.
Was bedeutet „Stress“ im Modell?
Stress meint hier nicht nur Alltagsstress. Gemeint sind alle Belastungen, die dein System herausfordern:
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Konflikte
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Verluste
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Überforderungen
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Leistungsdruck
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emotionale Belastungen
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körperliche Erkrankungen
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instabile Beziehungen
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traumatische Erlebnisse
Je höher die innere Vulnerabilität, desto weniger Stress „passt“ auf den inneren Teller, bevor es zu Symptomen kommt.
Warum Zwillinge ein wichtiger Hinweis sind
Forschung mit eineiigen Zwillingen zeigt: Auch wenn die Gene identisch sind, entwickeln nicht beide automatisch dieselbe psychische Erkrankung. Das bedeutet: Gene erhöhen das Risiko, sie bestimmen aber nicht das Schicksal. Umweltfaktoren, Erfahrungen und Stress spielen eine ebenso große Rolle wie die genetische Veranlagung. Das ist ein tröstlicher Gedanke. Denn du kannst lernen, deine Belastungsfaktoren zu reduzieren und deine Schutzfaktoren zu stärken.
Mini-Übung: Belastung & Schutz erkennen (2-Felder-Übung)
Nimm ein Blatt oder dein Handy. Erstelle zwei kurze Listen:
Belastungsfaktoren (Stress): Was erschöpft dich? Was fordert dich?
Schutzfaktoren (Ressourcen): Was gibt dir Kraft? Was stabilisiert dich?
Schon dieser kleine Blick macht deutlich: Psychische Gesundheit ist nicht Zufall, sie ist beeinflusst durch vieles, was du heute bewusst gestalten kannst.
Wie wir damit in der Therapie arbeiten
Mit der piKVT betrachten wir:
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welche Gedanken deine Vulnerabilität erhöhen
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welche Bewertungen Stress verstärken
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wie du neue, stärkende Sichtweisen entwickeln kannst
Typische Gedanken, die belasten, sind:
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„Ich muss alles alleine schaffen.“
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„Ich darf keine Schwäche zeigen.“
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„Ich übertreibe, andere schaffen das doch auch.“
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„Ich muss stark sein.“
Mit The Work überprüfen wir diese Gedanken liebevoll: Ist das wirklich wahr? Wie reagierst du, wenn du es glaubst? Wer wärst du ohne diesen Anspruch? Wenn alte Gedanken weicher werden, sinkt dein Stresslevel und gleichzeitig steigt deine innere Stabilität. Psychische Gesundheit entsteht genau dort:
Im Zusammenspiel von entlastenden Gedanken, weniger Druck und mehr Selbstfreundlichkeit.
Zum Mitnehmen
Psychische Erkrankungen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind das Ergebnis vieler Faktoren, die zusammenwirken – und keiner davon sagt etwas über deinen Wert aus. Du darfst lernen, deine Sensibilität zu verstehen, Stress zu reduzieren und deine Schutzfaktoren zu stärken. Und du musst das nicht alleine tun. Wenn du spürst, dass du schneller an deine Grenzen kommst oder gerade in einer schwierigen Phase steckst, begleite ich dich in meiner Praxis in Ulm gerne einfühlsam und Schritt für Schritt. Melde dich jederzeit für ein Erstgespräch.