Vielleicht hast du diesen Satz auch schon einmal gehört oder selbst gedacht:
„Früher haben die Menschen das doch auch geschafft.“ „Heute ist jeder sofort überfordert.“ „Unsere Generation ist einfach verweichlicht.“ Gerade wenn es um psychische Belastung, Stress oder emotionale Themen geht, entsteht schnell der Eindruck, dass Menschen heute weniger belastbar sind als früher. Doch so einfach ist es vermutlich nicht.
Leben wir wirklich „weicher“ oder einfach anders?
Viele Menschen stehen heute unter dauerhaftem Druck. Ständige Erreichbarkeit, soziale Medien, Vergleiche, Leistungsdruck und die Erwartung, gleichzeitig erfolgreich, reflektiert, emotional stabil und glücklich zu sein, begleiten viele durch den Alltag. Gleichzeitig fehlt oft echte Ruhe. Unser Nervensystem bekommt kaum noch Pausen. Gedanken laufen ständig weiter und viele Menschen haben verlernt, wirklich abzuschalten. Das bedeutet nicht automatisch, dass Menschen schwächer geworden sind. Vielleicht leben wir einfach in einer Zeit, die emotional und mental dauerhaft sehr fordernd ist.
Früher wurde vieles einfach nicht ausgesprochen
Oft entsteht der Eindruck, dass Menschen früher belastbarer waren. Doch psychische Belastungen gab es schon immer. Der Unterschied ist häufig nur, dass früher deutlich weniger darüber gesprochen wurde. Viele Menschen mussten funktionieren. Gefühle wurden heruntergeschluckt, Konflikte ausgehalten und Überforderung selten ernst genommen. Nicht, weil es leichter war, sondern weil oft kein Raum dafür da war. Heute sprechen Menschen offener über Angst, Erschöpfung, Überforderung oder mentale Gesundheit. Das kann schnell wie „Schwäche“ wirken, ist aber häufig eher ein Zeichen dafür, dass psychisches Erleben sichtbarer geworden ist.
Zwischen Selbstfürsorge und Vermeidung
Gleichzeitig darf man sich auch ehrlich fragen: Haben wir manchmal verlernt, schwierige Gefühle auszuhalten? Nicht jede Unsicherheit, Langeweile oder Anstrengung ist sofort ein Problem. Manche Dinge im Leben bleiben unbequem und nicht alles lässt sich vermeiden oder sofort lösen. Selbstfürsorge bedeutet deshalb nicht, nie wieder Stress zu erleben. Es bedeutet vielmehr, achtsam mit den eigenen Grenzen umzugehen, ohne sich selbst dauerhaft zu überfordern oder alles verdrängen zu müssen.
Übung: Ehrlich auf dich selbst schauen
Vielleicht magst du dich einmal fragen: Wo überfordere ich mich dauerhaft?
Wo vermeide ich vielleicht unangenehme Gefühle oder Herausforderungen?
Und wie würde ein gesünderes Gleichgewicht zwischen Belastbarkeit und Selbstfürsorge für mich aussehen? Oft geht es nicht darum, härter oder „stärker“ zu werden. Sondern darum, bewusster mit sich selbst umzugehen.
Gedankenarbeit mit piKVT & The Work
Gerade beim Thema Belastbarkeit entstehen häufig innere Bewertungen wie: „Ich müsste das schaffen“, „Andere kommen doch auch klar“ oder „Ich bin zu empfindlich“. Solche Gedanken erhöhen oft den Druck zusätzlich und führen dazu, dass Menschen ihre eigenen Grenzen immer weniger ernst nehmen. In der Arbeit mit piKVT und The Work geht es darum, diese Gedanken behutsam zu hinterfragen. Nicht, um Belastung kleinzureden oder sich selbst zu schonen, sondern um einen realistischeren und verständnisvolleren Umgang mit sich selbst zu entwickeln.
Zum Mitnehmen
Vielleicht ist unsere Generation nicht einfach verweichlicht. Vielleicht lebt sie einfach in einer Zeit, die gleichzeitig sehr laut, schnell und emotional fordernd ist. Du darfst:
- Belastung ernst nehmen
- Pausen brauchen
- trotzdem Herausforderungen aushalten
- Grenzen wahrnehmen
- und lernen, bewusster mit dir selbst umzugehen
Wenn du das Gefühl hast, dauerhaft erschöpft, überfordert oder innerlich unter Druck zu stehen, begleite ich dich in meiner Praxis in Ulm gerne dabei, wieder mehr Stabilität und Balance für dich selbst zu entwickeln.